Spielt mal wieder!

Foto: Sonja Wissmann

Heute schon gespielt? Spielen macht Mensch und Hund Spaß, stärkt die Bindung, fördert das gegenseitige Vertrauen und trainiert bei Welpen und Junghunden die Beißhemmung.
 
Bällchen werfen - das fällt vielen als erstes ein, wenn's um Spielen geht. Aber das hat eine ganze Reihe Nachteile:

  • Schnelle Stopps belasten die Bänder, Sehnen und Gelenke.
  • Ist der Hund ohnehin jagdinteressiert, heizt der bewegliche Ball dieses Interesse noch an.
  • So mancher Hund mutiert zum Junkie - wenn sein Mensch das Bällchen einsteckt, interessiert nichts anderes mehr. Das ist kein Spiel, das ist extremer Stress!
  • Beim Bällchenspiel findet der Spaß für den Hund immer weit entfernt vom Menschen statt. Das Hinterherhetzen ist das wichtigste daran - für die Bindung ist es aber viel besser, wenn Mensch und Hund zusammen spielen!

 

Was sind tolle Spiele?


Zerrspiele natürlich. Dazu eignet sich alles, an dem eine Hand und eine Schnauze gut festhalten können.

  • handelsübliche Zergel aus verknoteten Schnüren
  • eine alte Socke, ein zerschlissenes Handtuch oder das abgetrennte Hosenbein eine Jeans
  • Ein Knoten hilft, um fester greifen zu können

Vorsicht: Nicht den Hund am Zergel umherschleudern oder zu heftige Seitwärtsbewegungen machen - das belastet die Wirbelsäule. Und: Jeder darf mal "gewinnen", sprich das Zergel erbeuten. Das hat mit Dominanz gar und gar nichts zu tun, sondern erhält beiden den Spaß am gemeinsamen Spiel.

 

 

Foto: Stefanie Simon

Suchspiele sind Kopfarbeit. Toll für die Hunde, sie können ihre feine Nase einsetzen. Verstecken Sie Leckerchen oder Spielzeug - und steigern mit der Zeit die Anforderung. Dem Anfängerhund  hilft es, wenn er Ihnen beim Verstecken zusehen kann. Später verschwindet das Spielzeug unter einem großen Laubhaufen oder hängt in einer Astgabel. Da braucht es schon einen Suchprofi zum Aufspüren!

 

Rennspiele: O.k., die Vierbeiner sind uns da haushoch überlegen. Trotzdem wird Ihr Hund es toll finden, wenn Sie sich mit ihm ein Rennen liefern - Hakenschlagen inklusive. Junge Hunde neigen dann dazu, vor lauter Begeisterung in die Hosenbeine zu schnappen oder an Ihnen hoch zu springen. Kurz anhalten und erst wieder loslaufen, wenn er sich beruhigt hat. Ist der Hund das Rennen mit Ihnen gewöhnt, kann so ein Rennspiel auch übergehen in eine kleine Rauferei.

Foto: Sonja Wissmann

Raufen, Rangeln, Balgen: Ja, man kann sich mit dem Hund auch mal am Boden herumkugeln, mit Händen und Schnauze spielerisch zugreifen. Die meisten Hunde sind erstmal perplex, wenn sich ihr Mensch auf Bodenniveau begibt - genießen dann aber den Körpereinsatz in vollen Zügen. Allerdings sollte der Hund sich gut kontrollieren können - mit sehr schweren oder stürmischen Hunden macht eine Rauferei dem Menschen keinen Spaß! Vorsicht: Kinder niemals ohne Aufsicht... Aber das wissen Sie ja selbst, nicht wahr?
 
Für richtig gutes Spielen ein paar Tipps:

 

  • Es sollte nicht zu wild zugehen. Gerade junge Hunde müssen erst lernen, dass ihre Menschenkumpels nicht so robust sind wie die Hundefreunde. Schäumt die Begeisterung zu sehr über, das Spiel kurz unterbrechen und weiter machen, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist.
  • Aufhören können, das Spielzeug hergeben - das muss und soll trainiert werden. Aber sonst haben Gehorsamkeitsübungen beim Spielen wenig Sinn - wenn der Hund immer erst Sitz oder Platz machen soll, bleibt die Begeisterung auf der Strecke.
  • Jeder darf mal gewinnen - Spiel ist kein Erziehungsmittel. Und ein Hund, der sein Zergel triumphierend davon trägt, ist nicht dominant, sondern hat gerade jede Menge Spaß!
  • Viele Hunde knurren beim Spielen. Dieses Spielknurren unterscheidet sich deutlich von ernst gemeintem Knurren und ist vollkommen normal.
  • Nicht jeder Tag ist ein guter Tag für's Spielen - und auch nicht jeder Ort. Spielen geht nur in gegenseitigem Vertrauen und in entspannter Atmosphäre.

Viel Spaß!

 

Von Stefanie Simon, zertifizierte Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin BHV/IHK © Hundeschule am Schwanheimer Wald

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